Unser Baby geht jetzt in die KITA. Nein, nicht in die KITA, sondern zu zwei sehr lieben Tagesmüttern, die sich einfühlsam und individuell um die 8 ihnen anvertrauten Kinder kümmern (Montessori und so tolle Sachen). Wir machen nächste Woche die Eingewöhnung, ich werde in der Garderobe sitzen mit meinem Buch und für mein Baby da sein, wenn es mich brauchen sollte. Wahrscheinlich braucht er mich nicht – aber, das werden wir sehen. Er ist ja jetzt schon oft mit Papa alleine und mit Oma sogar einen ganzen Tag und die Babysitterin kommt abends. Und und und…

Die traute Zweisamkeit geht zu Ende.

Aber, es wird doch anders. Unsere traute Zweisamkeit, die wir nun 1 Jahr zusammen genossen haben, ist nun vorbei. Er wird weg gehen. 4 Tage die Woche, 6 Stunden am Tag. Dann bin ich alleine. Das wird komisch. Es fällt mir schwer. Was abzusehen war, ich kann zwar meistens gut loslassen, aber 6 Stunden – das ist schon lang. Und 4 Tage. Ich hätte ja gerne 3 gehabt, aber die Erzieherin hält das für keine gute Idee. Er käme sonst nicht in die Gruppe rein, hat sie gesagt und ich ahne, dass sie recht hat.

Und, dass es wichtig für ihn sei, sich von seiner Mutter zu lösen. Er hat die Möglichkeit dort Freundschaften zu knüpfen, neue Bezugspersonen kennen zu lernen und mit sich selbst zufrieden zu sein, sagt sie. Ich weiß, dass er das gut machen wird. Und, dass es für ihn wahrscheinlich sehr viel einfacher wird, als für mich.

Er ist doch noch so klein!

Es ist nicht nur, dass ich Probleme habe, ihn loszulassen. Es ist vielmehr das Bild von mir, das mir nicht gefällt. Ich bin ab nächster Woche die Mutter, die ihr Kind tagsüber weg gibt. Damit sie Zeit für sich hat (und ihren Beruf). Ich werde es sein, die ihr Kind ab nächster Woche zu zwei anderen Müttern bringt, damit er eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Ich überlasse mein Baby dem Stress einer Gruppe von kleinen Menschen anzugehören, die Regeln ausstreiten, die Gruppendynamiken erproben und Spielzeuge klauen. Ich bin dann diese Mutter, von der ich eigentlich denke, dass sie ihr Kind zu früh abgibt, nur an sich denkt und ihr die Karriere wichtiger ist als das Baby.

Ich gebe mein Kind weg. Temporär!

Und es fällt mir vor allem schwer, zu akzeptieren, dass ich es gut finde. Und, dass ich mich darauf freue, endlich mal wieder alleine etwas unternehmen zu können, stundenlang vor meinem PC zu sitzen, vor mich hin zu sinnieren, zum Frisör zu gehen, an mich selbst zu denken.

„Lass ihn doch noch ein bisschen zu Hause, er ist doch noch so klein“, sagt die Großmütter Generation und vergisst, dass es heute anders ist als damals. Jede Zeit hat ihre Bräuche. Heute gehen die Kinder ab einem Jahr in die KITA und die Mütter wieder arbeiten. Heute bekommt man Kinder und gibt trotzdem nicht den Job, die Position und die Karriere auf. Er ist noch so klein, ja. Aber, er ist doch auch schon so groß: Groß genug, dass er sich über jedes Kind freut, das er trifft. Groß genug zu sagen, was ihm (nicht) gefällt. Groß genug, dass er sich sicher von seiner Mama entfernen kann, weil er weiß, dass sie immer für ihn da ist.

 

Nora Hodeige

Nora Hodeige

Gesundheitscoach bei Leben mit ohne
Nora ist entspannt, liebt ihren kleinen Paddler und das Leben, genießt die Sonnenseiten und versucht die Schattenseiten unbeschadet zu überstehen, fühlt sich geliebt und unterstützt und möchte alles dieses mit der Welt teilen.
Wenn Nora nicht mit ihrem Sohn unterwegs ist, bietet sie Gesundheitscoaching für Menschen mit Histaminintoleranz & anderen Unverträglichkeiten an.
Nora Hodeige