Im Juli 2012 habe ich mir einen großen Traum erfüllt und mit einer Freundin ein schickes Tagescafé in Nürnberg eröffnet. Dafür habe ich meine gut bezahlte Stelle in einem Konzern aufgegeben. Kinder wollte ich schon lange, nur hat es einfach nicht geklappt mit dem Schwangerwerden, was auch ein Grund für mich war, es mit der Selbstständigkeit zu wagen. Gerade mal acht Wochen nach der Eröffnung fiel der Schwangerschaftstest positiv aus!

 

Die ersten Wochen

Zu Beginn war es mir wichtig, einen kompetenten Gynäkologen in der Nähe meines Cafés zu finden. Somit konnte ich sicher stellen, dass ich sämtliche Vorsorgetermine gut mit der Arbeit kombinieren konnte, ohne stundenlang durch die Stadt zu fahren. Glücklicherweise konnte mir eine Freundin, die erst wenige Monate zuvor entbunden hatte, ihre Ärztin empfehlen, die ihre Praxis nur wenige Gehminuten entfernt hatte.

Im laufenden Betrieb hat sich in dieser Zeit wenig verändert. Gearbeitet habe ich viel, wie immer. Auch ein Tagescafé mit Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr bedeutet lange Arbeitstage – unter 11 Stunden am Tag kam ich nicht nach Hause. Ich habe 6 Tage in der Woche im Café gearbeitet, der Sonntag diente dann der Büroarbeit. Nur zwei Dinge waren klar: keine schweren Dinge mehr heben und das Mettbrötchen vom Metzger gegenüber war auch gestrichen.

Leider hatte ich mit sehr schwerer Übelkeit zu kämpfen, die vor Allem von bestimmten Gerüchen ausgelöst wurde. Schwierig, wenn man auch in der Küche arbeitet! Vor der Öffnung des Cafés habe ich sämtliche Vorbereitungen für das Mittagessen getroffen und mir anschließend jeden Morgen die Seele aus dem Leib gekotzt. Glücklicherweise beschränkte sich die Übelkeit nur auf die erste Tageshälfte und nach knapp drei Monaten war der Spuk vorbei.

„Sie sind schwanger, nicht krank!“

In der Praxis meiner Frauenärztin gab es ein tolles Angebot für werdende Mütter: Für jedes Trimester gab es einen Informationsabend, durch den der Mann meiner Ärztin führte, selbst Professor im Fachbereich. Am ersten Termin saß ich also mit zwei weiteren jungen Frauen und war sehr gespannt, was ich erfahren würde, da mir absolut die Zeit fehlte, mich in meiner nicht vorhandenen Freizeit mit dem Thema Schwangerschaft zu beschäftigen. Es ging vor Allem viel darum, was sich nun auf der Arbeit ändert, Mutterschutz und meine Rechte als Arbeitnehmer. Bei mir kullerten da die ersten Tränen, da mir bewusst wurde, dass das alles nicht für mich zählen würde. Ich bekam regelrecht Angst davor, wie ich das alles schaffen sollte, wenn doch Schwangere solch schützenswerte Wesen seien, und ich absolut nicht sehen konnte, wie ich das im laufenden Betrieb umsetzen sollte. Am Ende nahm mich der Professor zur Seite und gab mir den folgenden, tröstlichen Rat: „Sie sind schwanger, nicht krank! Hören Sie auf Ihren Körper. Sie können mehr leisten, als Ihnen die Gesellschaft einredet. Meine Frau hat auch noch in der 38. SSW im OP gestanden. Das geht, wenn Sie auf sich Acht geben!“.

Der Bauch wird dicker

Nachdem die Übelkeit endlich Geschichte war, ergab sich ein neues Problem: der Bauch wurde dicker und war mir immer mehr im Weg. Ich musste mich erstmal mit meinem neuen Umfang arrangieren und einige Dinge umstellen, damit ich weiter problemlos arbeiten konnte. Bücken war recht schnell schwierig, aber man ist dadurch gezwungen brav in die Hocke zu gehen, was viel rückenschonender ist.

Der Vorteil von der vielen körperlichen Arbeit unter der Woche – man ist ja den ganzen Tag auf den Beinen – war, dass ich kaum zugenommen habe und auch so das Gefühl hatte, dass ich recht fit war. Einen Bauch hatte ich, der Rest blieb ziemlich normal. Nicht einmal Wassereinlagerungen waren da. Sport habe ich mir dadurch gespart.

Im Café war in diesen Monaten sehr viel zu tun und ich sah keine Möglichkeit zu einem Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen. Wobei ich nicht so recht wusste, warum ich einen Kurs besuchen sollte. Ich hatte ja eine ungefähre Vorstellung, wie das ablaufen würde. Sorgen machte mir nur das Thema „Atmung“. Was, wenn ich während der Entbindung nicht richtig atmen würde? Meine Frauenärztin nahm mir da aber auch sofort jegliche Angst: „In der Klinik wird Ihnen dann schon gesagt, was Sie tun müssen. Es ist immer jemand bei Ihnen!“. Puh, eine Sorge weniger!

Endspurt

Zwei Monate vor der Entbindung haben wir angefangen eine Aushilfe einzuarbeiten, die mich zumindest im Cafébetrieb vertreten würde. Sie sollte ihre Stunden langsam aufstocken, damit, falls ich spontan aufgrund der Entbindung ausfallen würde, ein kompetenter Ersatz für mich da wäre. Auch für die ersten Wochen nach der Geburt sollte die mich entlasten. Der Plan war gut – auch wenn es ganz anders kam.

Leider war schon seit einigen Monaten klar, dass meine Mitgründerin nur knapp acht Wochen nach dem Entbindungstermin aus persönlichen Gründen aus dem Betrieb aussteigen würde. Deshalb war das letzte Trimester voller Termine beim Steuerberater wegen der Trennung und Bewerbungsgesprächen, da ich einen vollwertigen Ersatz suchen musste. Ich stand zwar nicht mehr so viel hinter dem Tresen im Café, kürzer waren die Arbeitstage trotzdem nicht. Aber mir ging es gut, denn ich habe mich strikt an die Anweisung meiner Ärztin gehalten: wenn mein Körper es verlangte, habe ich eine Pause eingelegt.

Jetzt wird es ernst

Als Entbindungstermin war Freitag, der 24. Mai angesetzt. Denkbar ungünstig (meiner Meinung nach), da am 25. Mai ein Straßenfest anstand, auf dem meine neuen, veganen Muffins Premiere feiern sollten. Aber ich habe dann doch den ganzen Tag in der Küche verbringen dürfen, wo ich mit tatkräftiger Unterstützung meiner Schwiegermutter Unmengen an veganem Gebäck produziert habe. Die Nacht darauf war allerdings sehr kurz, da ich kurz nach Mitternacht mit Wehen aufgewacht bin. Danach ging alles sehr schnell: um 5 Uhr waren mein Mann und ich in der Klinik, um 8 Uhr war mein Sohn entbunden. Meinen Mann habe ich dann noch schnell zum Straßenfest geschickt, ab 9 Uhr war Aufbau und er hatte den dafür benötigten Pavillon im Auto.

Die ersten Tage zu Dritt

Nach zwei Tagen durfte ich nach Hause. Im Krankenhaus hatte ich zwar Emails gelesen, mich aber allgemein etwas zurück genommen. Geplant war, dass ich vorerst mich zuhause um administrative Dinge kümmern sollte, das Café würden meine Geschäftspartnerin und die Aushilfe am Laufen halten. Doch wie bereits erwähnt, kam es anders als gedacht. Am Ende der ersten Woche verkündete die Aushilfe, dass sie nicht mehr für uns arbeiten könnte. Ab sofort. Also habe ich die Zähne zusammen gebissen und bin nicht einmal zwei Wochen nach der Entbindung wieder ins Café.

Kleine Kinder schlafen viel und besonders mein Sohn hat es mir einfach gemacht. In der Nacht war er ein guter Schläfer und tagsüber hat er entweder friedlich im Tragetuch geschlummert (völlig unbeeindruckt von dem Lärm der Kaffeemaschine) oder neugierig geschaut. Ich hatte ihn die ersten Wochen immer im Café dabei. Dabei hat sich das Tragetuch für mich bewährt, wobei auch ein schlanker, leichter Kinderwagen keine Fehlinvestition war.

FAZIT

Es war sicherlich eine anstrengende Zeit, allerdings nicht so schlimm, wie ich es mir in den ersten Tagen ausgemalt hatte. Es ist wichtig, auf seinen Körper zu hören und Pausen zu machen, wenn diese gefordert werden. Allgemein muss ich sagen, dass ich sehr leicht durch diese Schwangerschaft gegangen bin: ich hatte keinerlei körperliche Beschwerden, eine sehr leichte und kurze Entbindung und ein furchtbar entspanntes Baby. Mir hat es geholfen, dass ich wenig Zeit hatte mir Gedanken zu machen, denn dadurch entstehen sicherlich auch weniger Sorgen und Ängste. Schließlich ist man schwanger und nicht krank!

Gast

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Auf kugeltastisch haben wir immer wieder feine Gastautoren, die uns mit ihrem wertvollen Wissen rund um Schwangerschaft, Geburt und Mutter Sein mit tollen Inputs versorgen.
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