Ganz ehrlich, Zeit ist ein kleines fieses Monster. Da schaut man einmal fünf Minuten nicht hin, da ist ein Monat vergangen – fuuush, einfach so und weg! Mehrere Monate vergehen auch, mit einem Wimpernschlag, wenn man, wie ich, einen neuen Job beginnt, dank Vodafone kein Internet mehr zu Hause hat und sich ein kleines Wunder eingeschlichen hat. Und, von diesem kleinen Wunder will ich euch heute genauer berichten.

Nach den ersten Monaten meiner Schwangerschaft, bin ich nun der Meinung, dass „Morgenübelkeit“ von irgendwelchen, männlichen (!), Gynäkologen erfunden wurde, um uns Frauen nicht abzuschrecken. Morgenübelkeit klingt nach: Naja, wenn du aufstehst, dann ist dir ein bisschen übel, aber das gibt sich ganz schnell wieder und du kannst den Rest des Tages genießen und bist genauso produktiv wie vorher. Klingt irgendwie utopisch? Nun, das ist es auch. Zumindest in meinem Fall. Aber erst mal schön der Reihe nach.

Schwanger zu werden, stand nicht auf meiner Agenda. Als ich Anfang diesen Jahres nach 28 Tagen und ca. 7 weiteren, den leisen Eindruck hatte, dass vielleicht irgendetwas nicht stimmt – habe ich es auf emotionalen Stress geschoben und mein Hormonsystem wieder einmal verflucht. Diese kleinen fiesen Hormone, die immer machen, was sie wollen – mit meiner Autoimmun-Entzündung der Schilddrüse bin ich das ja auch gewohnt. Nach 7 weiteren Tagen – ja, manchmal kann ich richtig penetrant ignorieren – habe ich mich eines Morgens plötzlich ungläubig starrend auf zwei kleine Striche wiedergefunden. „Das kann gar nicht sein!“, wiederholte mein Kopf in einer Endlosschleife. Panik überfiel mich, wie sollte ich das nur hinbekommen? Und, was würde der Liebste sagen? Und, was die neuen Chefs? Und, überhaupt: Ich kann doch eigentlich gar nicht ohne Hormontherapie schwanger werden? … sagen die Schilddrüsen Experten.

morgenübelkeit und schwangerschaft

Schwanger zu werden stand nicht auf meiner Agenda…

Aber, wer verlässt sich schon gern auf so ein kleines Plastik-Teil aus der Apotheke. Ein „echtes“ Ergebnis musste her. So saß ich einige Stunden später auf dem kalten Stuhl einer Gynäkologin, die mir strahlen erklärte: „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!“ – „6. Woche“, konnte sie mir nur noch hinterher rufen, denn da war ich auch schon aus der Praxis getaumelt. In eine kleine Kugel voller Watte eingeschlossen: Ich bin schwanger, wirklich und echt und so richtig, mit einem Kind… Wahnsinn!

Das kann gar nicht sein!

Heute im Nachhinein, kann ich laut darüber lachen, damals fühlte es sich an, wie ein kleines Erdbeben, das mein geregeltes Leben ganz schön erschütterte und durcheinander brachte. Natürlich gab es da diesen erst kleinen, aber im Laufe dieses Tages stetig wachsenden Teil, der unendlich glücklich war, sprachlos glücklich, voller kleiner Schmetterlinge im Bauch, dieser Teil, der plötzlich fand, dass die Sonne heute heller scheint als gestern und die Vögel lauter zwitschern. Ein Lächeln auf meinem Gesicht, abgelöst von Tränen der stillen Überforderung. „Es ist völlig normal, überfordert zu sein, wenn man schwanger wird“, sagte mir später an diesem Tag eine zweifache Mutter, „völlig normal!“ Und es half mir, durchzuatmen.

Abends, als der Liebste nach Hause kam, empfing ich ihn mit den Worten: „Ich muss dir etwas erzählen. Setz dich am besten hin!“, was noch nie ein großartiger Auftakt für ein entspannendes Gespräch war. Aber als ich sein großes Lächeln auf dem Gesicht sah, nachdem ich, mühsam aber doch deutlich gesagt hatte: „Ich bin schwanger.“ – da wusste ich, dass alles gut werden kann, nein, das alles gut werden wird. Natürlich gab es in den nächsten Tagen noch viel zu diskutieren, viel zu klären, viel zu besprechen: Können wir uns ein Kind überhaupt leisten? Verliere ich jetzt meinen neuen Job wieder? Was gibt es zu beachten? Müssen wir jetzt schon wieder umziehen?

morgenübelkeit. kein grund zum umziehen

Müssen wir jetzt schon wieder umziehen?

Ein paar Tage des Zweifelns gingen ins Land und plötzlich war da bei uns beiden nur noch diese große Gefühl unendlicher Freude, dass sich dieses kleine Lebewesen in unser Leben geschlichen hatte und tatsächlich bei uns aufwachsen, leben, lachen, weinen und lernen wollte.

Manchmal weiß das Leben doch ganz einfach besser, was gut für uns ist!

Mit dem Glück aber kam die Übelkeit. Nicht morgens, nicht ein bisschen, sondern ganz und ohne Kompromisse und den ganzen Tag. Wie eine große Welle kam sie über mich, überrollte mich und bestimmte meinen Tag. Glücklicherweise arbeitete ich damals halbtags, so, dass ich mich mittags nach Hause schleppen und nach einem Besuch im Bad den Rest des Tages auf dem Sofa verbringen konnte. „Das ist ein gutes Zeichen, das bedeutet, dass sie eine stabile Schwangerschaft haben“, sagte die Frauenärztin aufmunternd und die Hebamme meinte: „Nach 12 Wochen ist das vorbei. Das gehört jetzt leider so!“ 12 Wochen? Ja, schön wäre es gewesen, nach 16 Wochen war ich wirklich am Ende. Ich schleppte mich durch die – mittlerweile ganzen Tage im Büro – und verfluchte den Erfinder des Wortes „Morgen(!)übelkeit“. Ich hatte keine Lust mehr – aber außer Durchhalten konnte ich ja nichts dagegen machen.

Und plötzlich kam die 18. Woche (!) – und die Übelkeit war vorbei! Plötzlich war da nur noch das große Glück und ein kleines, sichtlich wachsendes Bäuchlein. Der schöne Teil der Schwangerschaft konnte endlich beginnen.

Nora Hodeige

Nora Hodeige

Gesundheitscoach bei Leben mit ohne
Nora ist entspannt, liebt ihren kleinen Paddler und das Leben, genießt die Sonnenseiten und versucht die Schattenseiten unbeschadet zu überstehen, fühlt sich geliebt und unterstützt und möchte alles dieses mit der Welt teilen.
Wenn Nora nicht mit ihrem Sohn unterwegs ist, bietet sie Gesundheitscoaching für Menschen mit Histaminintoleranz & anderen Unverträglichkeiten an.
Nora Hodeige