„Wie war die Geburt?“

– Anstrengend.

„Und, die Schmerzen?“

– Hölle.

„Also, PDA?“

– Nee.

„Aber, ich dachte…“

– Na, wozu gibt es denn die Pause?

„Die Pause?“

– Ja. Das Schönste an dem ganzen Geburtsprozess ist die Pause. Ach, was sag ich: Das Schönste auf der ganzen Welt ist diese Pause.

Über Geburten wird ja im Allgemeinen nicht so viel gesprochen. Irgendwie sind die Kinder dann immer irgendwann da. Wie lange und wie genau dieses irgendwie und irgendwann abgelaufen sind, das erzählt keiner so genau und, wenn wir ehrlich sind, möchten wir es ja auch gar nicht wissen. Dachte ich mal. Früher, bevor ich schwanger geworden bin. Seit dem ich wusste, dass ich schwanger war, arbeitete ich täglich ein bisschen mehr auf dieses ominöse Ereignis namens Geburt hin. Es war für mich ein ewiges Mysterium und ist es auch bis zur ersten Wehe geblieben: Wie wird die Geburt meines Kindes wohl verlaufen? Wie werde ich mich fühlen? Wie verhalten? Wann geht es los? Wie lange wird es dauern? Werde ich die Schmerzen tatsächlich aushalten können? Und vor allem: Wird alles gut gehen?

Jetzt im Nachhinein kann ich viele dieser Fragen für mich selbst beantworten. Ja, es ist alles gut gegangen und nein, man weiß vorher nicht, wann es los geht, aber wenn es los geht, dann schon und ja, die Schmerzen sind wirklich heftig, aber doch irgendwie auszuhalten (zumindest dieses Mal, man weiß ja nie…). Ich bin nicht wütend geworden oder habe meinen Liebsten angeschnauzt, im Gegenteil: Wir waren ein klasse Team. Und ja, zwischendurch habe auch ich gedacht: „Das mache ich nie wieder! Ein Kind reicht völlig…!“ Zum Glück ist alles relativ schnell gegangen und ich konnte mich ganz auf den Prozess einlassen, von wegen „Was man beginnt, muss man auch zu Ende führen“ – Augen zu und durch sozusagen. Zum Abschied sagte die Hebamme zu mir: „Auf die Geburt deiner weiteren Kinder kannst du dich freuen. Das wird ein Spaziergang!“ Und ich dachte mir nur: Weitere Kinder? Nochmal Geburt??? Niemals!

Denn, ich will ja hier nichts beschönigen: So eine Geburt ist unglaublich anstrengend und grandios schmerzhaft. Ganz ehrlich.

Wehen kommen in Wellen und laufen von „sehr starke Schmerzen“ über „verdammt, tut das weh“ zu „ich weiß nicht, ob ich es diesmal überlebe“ über „aaaaaaaaaaaaaaaaaahhh, wann ist es vorbei???“, um schließlich in „uiuiuiui, Wahnsinn! Was für eine Wehe“ zu enden. Und dann kommt …

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Die Pause

Die Wehenpause. Meine beste Freundin und Retterin in der Not. Ihre tröstenden Arme umfangen mich, um mich zu halten, aufzubauen und neu zu motivieren. In ihren Armen weiß ich, dass ich auch die nächste Wehe durchhalten werde. Weil sie am anderen Ende wieder auf mich wartet. Die Pause, eine wahre Hilfe und das schönste Gefühl, das man sich im Geburtsprozess auch nur vorstellen kann. Die Schmerzen sind vergessen, wie weg geblasen, nicht einfach nur verblasst, nein, gar nicht mehr vorhanden!

Die Pause fängt mich auf, ich kann mich gehen lassen und in ihr die Entspannung genießen. Zusammen mit dem Liebsten, der nicht von meiner Seite weicht und mich mit der Pause gemeinsam wunderbar aufbaut und motiviert, hangeln wir uns von Wehe zu Wehe. Mir wird klar, dass es tatsächlich stimmt, was sie uns im Geburtsvorbereitungskurs gesagt haben: Die Entspannung in der Pause sorgt dafür, dass die Wehen voran gehen. Denn nur über Entspannung wird vom Gehirn das Wehenhormon Oxytocin produziert. Die Pause sorgt also für das Voranschreiten des Geburtsprozesses und je entspannter ich bin um so schlimmer werden die Wehen. Klingt erschreckend, ist aber eine wahre Wohltat, denn ein Voranschreiten bedeutet auch: Ende in Sicht. Einmal angefangen gibt es kein Zurück mehr, und je stärker es wird, umso schneller ist es vorbei. Die Zeit vergeht, jede Wehe, die ich hinter mich gebracht habe, kommt nicht mehr wieder. Ein Trost. Und die Pause ist immer da, auf sie ist einfach Verlass. Die Ruhe im Sturm, der Fels in der Brandung und ein Leuchten in der dunklen Nacht – das schönste Gefühl der Welt.

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Und am Ende hat es sich doch alles tausendmal gelohnt. Ein letztes Pressen, ein dumpfer Platsch, ein lauter Schrei und dann das Allerschönste, was ich jemals gesehen, gerochen, gehalten und für irgendjemanden empfunden habe: Die Ankunft unseres Babys. Willkommen kleiner Prinz, wir haben dich schon erwartet! Und, jetzt machen wir es uns erst mal gemütlich.

Nora Hodeige

Nora Hodeige

Gesundheitscoach bei Leben mit ohne
Nora ist entspannt, liebt ihren kleinen Paddler und das Leben, genießt die Sonnenseiten und versucht die Schattenseiten unbeschadet zu überstehen, fühlt sich geliebt und unterstützt und möchte alles dieses mit der Welt teilen.
Wenn Nora nicht mit ihrem Sohn unterwegs ist, bietet sie Gesundheitscoaching für Menschen mit Histaminintoleranz & anderen Unverträglichkeiten an.
Nora Hodeige