Ganz ehrlich, keiner von uns will behaupten, dass Männer und Frauen nicht unterschiedlich sind. Natürlich sind sie das und das ist auch gut so. Und, das gilt auch für die Wahrnehmung bei Schwangeren.

In der 18. Woche machte es plötzlich „blubb“ und der Bauch war zu sehen. Ein kleiner Bauch noch, aber doch eindeutig mehr als Käsekuchen ausmachen konnte. Und ich habe mich gefreut. Endlich sieht man es! An keinem Schaufenster konnte ich vorbei laufen, ohne meinen kleines Bäuchlein zu bewundern. Und, da ist jetzt wirklich ein Kind drin. Sachen gibt’s! (Nachtrag: Haha, hinterher kommt einem das ziemlich lustig vor 😀 Vor allem, wenn die Leute fragen, wann es denn so weit ist… und das Baby schlummert gemütlich im Kinderwagen daneben…)

Es ist normal (habe ich mir sagen lassen), dass es so plötzlich passiert, weil das Baby sich im 5. Monat umdreht und unter der Bauchdecke hervor kommt (wie immer wir uns das vorzustellen haben). Manche Babys drehen sich nicht und haben daher ein bisschen weniger Platz sich zu entwickeln. Oftmals (natürlich nicht immer) passiert dies bei Frauen, die erst mal gar nicht merken, dass sie schwanger sind. Bei mir aber war es mein großes Glück, dass es sich brav gedreht hat, denn „schwupps“ mit dem Bauch war mir nicht mehr schlecht!

Gleich bin ich zu H&M gelaufen und habe mir wundervolle Sachen zugelegt. Hosen mit Bund und Shirts mit extra Stoff am Bauch, Kleidchen und Blusen – die ganze Palette. Und ich hab mich total gefreut, dass ich nicht mehr in meine alten Sachen reingepasst habe.

Trotzdem blieb die erwünschte „Mensch, bist du schwanger? Du siehst ja toll aus und so ein schöner Bauch“-Reaktion aus. Stattdessen wurde ich mehrmals von folgender Situation überrascht: Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen und ich sitzen, stehen, laufen gemeinsam und unterhalten uns. Manchmal, wenn es passte, sage ich irgendetwas schwangeres. Dann passierte jedes Mal folgendes: Die Frauen starrten mich an und sagten „Du bist schwanger?“ (Man stelle sich hierbei einen leicht entsetzten, völlig aus allen Wolken fallenden Ton vor und keinen „Ach, wie schön: Du bist schwanger“ Ausruf!) Die Männer hingegen nickten nur und sagten als Reaktion auf den weiblichen Ausruf: „Ja, aber das sieht man doch!“

Woher nur kommt diese unterschiedliche Wahrnehmung? Ich habe darüber eingehend nachgedacht, weil ich vorher (wenn überhaupt) gedacht hätte, dass gerade die Frauen sofort sehen, wenn eine von ihnen schwanger ist. Aber das stimmt gar nicht. Es ist nicht nur so, dass sie es nicht wahrnehmen, sondern im „schlimmsten“ Fall sagen sie sogar noch: „Das sieht man aber gar nicht!“

Ganz ehrlich: Das kann ich mir nicht vorstellen! Dass ich in den ersten drei Monaten gemütlich 10 Kilo zugenommen habe, das soll man nicht gesehen haben?! Unvorstellbar unter Frauen. Wo doch anders herum jedes Grämmchen mit den Worten „Hast du abgenommen?“ begleitet wird. Ist es also vielmehr so, dass über ein paar Kilo mehr „freundlicherweise“ (zumindest offiziell) nicht gesprochen wird? Und, dass dabei so viel Konsequenz bewahrt wird, dass sogar bei der Offenbarung von „ich bin schwanger“ immer noch der Schein vorgespielt wird, dass man die paar Kilo (mehr oder weniger) überhaupt nicht gesehen hätte? Soll ich das jetzt gut finden oder nicht?

Vielleicht sehe ich die ganze Situation und deute die Reaktionen ja auch völlig falsch. Wenn ich mir die Fotos so im Nachhinein (ist ja nun schon ein paar Wochen her) anschaue, sehe ich schon ein, dass ich auch einfach nur zugenommen haben könnte… Und: Zugegeben, nichts ist peinlicher als zu sagen: „Mensch, gratuliere, du bist ja schwanger!“ Dann als Antwort zu bekommen: „Äh, nein…ich habe einfach nur zugenommen!“ Und wahrscheinlich ist es genau diese Angst vor dem großen Fettnäpfchen, das die meisten Frauen davon abhält überhaupt etwas zu sagen.

Oder was meint ihr?

Nora Hodeige

Nora Hodeige

Gesundheitscoach bei Leben mit ohne
Nora ist entspannt, liebt ihren kleinen Paddler und das Leben, genießt die Sonnenseiten und versucht die Schattenseiten unbeschadet zu überstehen, fühlt sich geliebt und unterstützt und möchte alles dieses mit der Welt teilen.
Wenn Nora nicht mit ihrem Sohn unterwegs ist, bietet sie Gesundheitscoaching für Menschen mit Histaminintoleranz & anderen Unverträglichkeiten an.
Nora Hodeige