Diese kleine Geschichte habe ich vor einigen Jahren meiner Mutter zum Geburtstag geschrieben und möchte sie nun gerne mit euch teilen. Auch, weil sie natürlich jetzt wieder passt, besonders zu meiner hormongesteuerten Gefühlsstimmung momentan.
Danke Mama, für Alles!

„Baby!“
Das Baby hört, dass er seinen Namen ruft, aber es möchte nicht antworten, es möchte alleine sein.
„Baby!“, ruft er noch einmal. Diesmal dreht sich das Baby zu dem Wächter des Himmels um. Der Wächter sieht die Angst und die Tränen in den Augen des Babys, doch kann er sie nicht verstehen.
„Baby“, sagt er noch einmal, leise, liebevoll, einfühlsam. Mit diesen Worten überquert er das Stück freien Himmels, das Babys Wolke und seine voneinander trennen.
„Baby“, er kommt noch einen Schritt näher, „was ist es, das dich so bedrückt?“
„Ach, Wächter“, seufzt das Baby und lässt seinen Kopf auf die Brust sinken, „ich habe schreckliche Angst.“
„Wovor denn, Baby, wovor?“, fragt der Wächter und setzt sich neben das Baby auf den Boden. „Vor morgen“, sagt das Baby kaum hörbar.
Der Wächter beugt sich zu dem Baby runter. „Du gehst zur Erde morgen, Baby“, flüstert er.
Das Baby nickt, kaum sichtbar.
„Aber das ist doch wunderbar“, der Wächter lächelt, „wunderbar!“
Daraufhin wendet das Baby dem Wächter des Himmels seinen Blick zu, lange sieht es ihn an, vorwurfsvoll und tief traurig. „Ich werde ganz alleine sein!“ , flüstert es, „Ganz alleine. Ohne dich. Ohne das.“ Es zeigt auf die Wolken herum. „Ohne die.“ Es zeigt auf die anderen Geschöpfe des Himmels. „Ganz alleine.“ Und lässt den Kopf wieder hängen.
„Baby“, sagt der Wächter, endlich verstehend, „Baby, ich muss dir etwas erzählen.“ Und mit einer Bewegung seiner Hand zwingt er das Baby ihn anzusehen.
„Du wirst nicht alleine sein.“ Das Baby sieht ihn ungläubig an, doch bevor es etwas sagen kann, fährt der Wächter fort: „Damit du nicht alleine sein wirst, habe ich dir einen Engel auf die Erde geschickt.“ Er lächelt ob des erstaunten Blickes des kleinen Babys, seine großen Augen starren in die himmelblauen Augen des Wächters.
„Dieser Engel ist auf der Erde, um auf dich aufzupassen. Sie wird dir ein Zuhause geben, dich in ihren Armen wiegen, ihre Wärme mit dir teilen, dir ihre ganze Liebe schenken. Wenn es Zeit ist, wird sie dir Flügel geben, damit du die Welt erkundest, an ihrer Seite oder alleine. Sie wird immer da sein, damit du nicht alleine sein musst.“
Er macht eine kleine Pause und lässt seinen Blick in Ferne schweifen.
„Kann ich sie alles fragen, was ich will?“, möchte das Baby an seiner Seite wissen.
„Du musst, denn nur so wirst du von ihr lernen. Sie wird dir Vorbild und Lehrerin sein, aber gib ihr die Möglichkeit auch von dir zu lernen.“
„Sie wird immer da sein, wenn ich sie brauche?“
„Sie wird es versuchen. Manchmal wird es nicht gehen. Manchmal wirst du alleine sein. Aber ihre Liebe wird dich immer begleiten.“
„Wird sie mir alles erlauben?“, fragt das Baby und ergreift die Hand des Wächters.
„Sie wird dir Grenzen setzen. Du wirst sie lernen und achten.“
Das Baby nickt gedankenverloren.
„Wird sie auf alles Antwort haben, so wie du?“
„Sie wird Antworten haben. Aber manche Antworten wirst du selbst suchen und finden müssen. Sie wird dir den Weg zeigen, dich ermutigen, aber den Weg wirst du oftmals alleine gehen müssen. Antworten sind manchmal schwer zu finden, Entscheidungen schwer zu treffen, aber sie wird dir Hilfe sein, soweit es ihr möglich ist.“
„Wenn ich traurig bin….?“
„Wird sie dir Trost spenden.“
„Wenn ich hilflos bin…?“
„Wird sie deine Hilfe sein. Wenn du lachst, wird sie mit dir lachen. Wenn du weinst, wird sie mit dir weinen. Wenn du dir etwas wünschst, wird sei mit dir wünschen, dass es in Erfüllung geht.“
Der Wächter setzt das Baby auf seinen Schoß. „Baby, sie wird dir alles sein, was du brauchst. Wird dir Nest und Flügel geben. Wird dir Schutzengel sein.“
Mit großen Augen sieht das Baby den Wächter an. „Warum schickst du mich zu ihr?“, fragt es mit großen Augen.
Der Wächter lächelt. „Auch Engel brauchen manchmal Hilfe. Auch Engel brauchen Trost und Liebe. Auch sie brauchen eine Hand, die sie halten können. Auch Engel brauchen eine Schulter zum Anlehnen, einen Freund zum Reden und Zuhören.“
Er streichelt dem Baby über den Kopf. „Mein Engel braucht dich“, sagt er liebevoll.
„Wie werde ich sie erkennen?“, fragt das Baby, während es sich es auf dem Schoß des Wächters gemütlich macht.
„Du wirst sie erkennen, an dem Strahlen in ihren Augen.“
„Wird sie mich erkennen?“
„An dem Klopfen ihres Herzens.“
„Aber, Wächter, sag mir, wie heißt denn mein Engel?“
„Wie sie heißt, ist unwichtig. Aber du wirst deinen Engel Mama nennen!“

Nora Hodeige

Nora Hodeige

Gesundheitscoach bei Leben mit ohne
Nora ist entspannt, liebt ihren kleinen Paddler und das Leben, genießt die Sonnenseiten und versucht die Schattenseiten unbeschadet zu überstehen, fühlt sich geliebt und unterstützt und möchte alles dieses mit der Welt teilen.
Wenn Nora nicht mit ihrem Sohn unterwegs ist, bietet sie Gesundheitscoaching für Menschen mit Histaminintoleranz & anderen Unverträglichkeiten an.
Nora Hodeige