Anja Freist IIAnja schreibt in diesem Gastbeitrag von der wertvollen Arbeit einer Doula und erklärt, woher der Begriff kommt und, wie eine Doula die Frau bei der Geburt enorm unterstützen kann. 

Anja Freist, geboren 1979, ist Mutter von 4 Kindern und arbeitet als Doula – sie begleitet Frauen bei der Geburt. Als Naturpädagogin arbeitet sie mit Kindern einem Waldkindergarten.

 

Liebevolle Begleitung bei der Geburt

Die Schwangerschaft ist eine Zeit der Veränderung. Viele Erfahrungen stürzen in dieser Lebensphase auf uns ein, verunsichern und verursachen vielleicht auch Ängste. Ein Kind zur Welt zu bringen ist wahrlich eine große Aufgabe, die mit Ehrfurcht erfüllt. Vielleicht weil unzählige geheimnisvolle Dinge im Verborgenen geschehen und unbegreiflich erscheinen.

Da sind auf der einen Seite zahlreiche Fragen. Schaffe ich es, stets im Sinne des werdenden Lebens zu handeln? Kann ich denn überhaupt ein neues Leben heranwachsen lassen? Ist mein Körper am Ende dieser Monate tatsächlich in der Lage, die mächtige Aufgabe der Geburt zu meistern? Diese und andere Gedanken treiben werdende Mütter um. Dabei sollten sie doch voller Zuversicht sein. Denn schließlich sagt der Mutterpass doch schwarz auf weiß, dass alles nach Plan läuft, oder?

Auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass Schwangerschaft und Geburt genauso seit Jahrtausenden passieren. Die meiste Zeit ganz ohne Ratgeberliteratur, Apparate und medizinische Untersuchungen. In dem Wissen, dass sie es können wie schon ihre Mütter und Urgroßmütter es konnten, gebaren Frauen ihre Kinder. Lediglich kundige, wissende Begleiterinnen waren mit Zuversicht, Trost und helfenden Händen dabei.

Unterstützung für die Gebärende

In vielen Kulturen ist es noch immer üblich, dass Gebärende von erfahrenen Frauen unterstützt werden. Schon während der Schwangerschaft ist stets Unterstützung durch Familienmitglieder, Nachbarinnen und Freundinnen da. Austausch über Erfahrungen, gemeinsam verbrachte Zeit und das Miterleben von Schwangerschaften und Geburten anderer Frauen lassen das Wissen über diesen Lebensabschnitt lebendig und allgegenwärtig bleiben.
Und auch heute ist das Engagieren weiblicher Unterstützung in Form einer Doula weit verbreitet. Doulas arbeiten in Kliniken, bei Hausgeburten oder im Geburtshaus. Dabei sind sie nur der Frau verpflichtet und ermutigen sie, ganz und gar ihren Bedürfnissen zu folgen.

Frauen, die sich eine Doula an ihrer Seite wünschen, haben ganz unterschiedliche Absichten. Ich treffe Frauen, die sehr gut informiert sind und genau wissen, wie ihre Geburt sein soll. Mich kontaktieren Frauen, die weiblichen Beistand und bedingungslosen Rückhalt während der Geburt ihres Babys herbeisehnen. Und leider viel zu oft sprechen mich Frauen an, die die Geburt ihres ersten Kindes als erschütterndes, entwürdigendes und gewaltvolles Erlebnis schildern.

Auf irgendeine Weise ist es immer der Wunsch nach feinfühliger Begleitung und einer Geburtsumgebung voll wohlwollender, achtsamer Menschen, der Frauen nach einer Doula suchen lässt.

Doula – Dienerin der Frau

Die Bezeichnung „Doula“ stammt aus dem altgriechischen und bedeutet im ursprünglichen Sinn „Dienerin der Frau“. Die Doula dient auf eine authentische Weise von Frau zu Frau. Sie bestärkt die werdende Mutter in ihrem Tun.

Eine Doula ist eine Begleiterin. DEINE Begleiterin durch die verschiedenen spannenden und sensiblen Phasen deiner Schwangerschaft bis hin zur Geburt deines Babys und durch die Wochenbettzeit. Das Wunderbare an dieser Begleitung ist, dass überhaupt nichts feststeht. Alles ist offen und wird immer wieder auf deine Bedürfnisse ausgerichtet. Deine Doula passt ihren Job an deine Hoffnungen, Wünsche, Ängste und Träume an.
Eine Doula übernimmt keinerlei medizinische Tätigkeiten. Diese sind ausschließlich dem Klinikpersonal vorbehalten. Jedoch kennt deine Doula zahlreiche Möglichkeiten, Entspannung zu verschaffen, Schmerzen zu lindern oder Energie zu tanken. Sie ist mit den Vorgängen einer Geburt vertraut und wird dich auf deiner Geburtsreise aufmerksam und voll Achtsamkeit begleiten.

Sei guter Hoffnung und feiere

Während die Zeit der Schwangerschaft langsam verstreicht, lernst du deine Doula kennen und ihr knüpft ein enges Band zueinander. Dabei erfährt die Doula viel über dich und deine Vorstellungen zu Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft. Sie wird dir zuhören, dich vorbehaltlos unterstützen, dir Informationen beschaffen und deinen Weg völlig wertfrei begleiten. Deine Ängste und Befürchtungen kannst du mit ihr teilen. Ihr findet Wege, damit umzugehen, tauscht euch aus und schmiedet Pläne. Die intensive Begleitung durch eine Doula stärkt dich und gibt dir Kraft, deinen Weg zu gehen.

„Schwanger sein heißt, guter Hoffnung sein
und Hoffen heißt die Möglichkeit des Guten zu erwarten.“
(S. Kierkegaard)

Sei guter Hoffnung und feiere deine Schwangerschaft und die Geburt deines Kindes als Fest. Dem wunderbaren Ereignis der Geburt freudig entgegenzusehen und froh und frei von Angst auf das Kind zu warten, sind nährende und bereichernde Lebenserfahrungen. Selbstbestimmt und erfüllt von Vertrauen durch die Geburt des zu gehen, ist eine überwältigende, grandiose und außerordentlich stärkende Erfahrung. Hindern dich deine Befürchtungen, die Verunsicherung durch andere oder Vergangenes daran, ist es wunderbar, eine Doula als Mutmacherin, Trösterin und Vertraute bei sich zu haben.

Eine Doula hat meist eine Ausbildung absolviert und ist mit den physiologischen Vorgängen einer Geburt ebenso vertraut wie mit diversen Techniken zur Entspannung oder Schmerzlinderung. So verschieden die Bedürfnisse der werdenden Mütter sind, so unterschiedlich sind die speziellen Angebote der Doulas. Es ist ratsam, sich Zeit für die Suche zu lassen.

Die Kosten für eine Doula schwanken von Region zu Region und werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

Gast

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Auf kugeltastisch haben wir immer wieder feine Gastautoren, die uns mit ihrem wertvollen Wissen rund um Schwangerschaft, Geburt und Mutter Sein mit tollen Inputs versorgen.
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