Zugegebenermaßen hatte ich mir im Vorfeld wenig Gedanken um das Thema Stillen gemacht. Das einzige was mir klar war, war das ich nicht so der Typ für öffentliches Stillen bin. Auch in unserem Vorbereitungskurs wurde das Thema nicht weiter besprochen. Also bin ich wirklich davon ausgegangen, dass ich nach der Geburt mein Baby anlege, es trinkt und dass alles reibungslos klappt. Irrtum – dem war nicht so. Einen Tag nachdem mein kleiner Prinz zu uns gestoßen ist, bin ich auf dem Boden der Tatsachen gelandet: Mein Baby hat Hunger und das Stillen klappt nicht so ohne weiteres – was nun?

Von der Hilflosigkeit zum Lichtblick

Zu meiner Hilflosigkeit und Überforderung gesellten sich so einige Schwestern im Krankenhaus, die mir das Gefühl gaben, dass ich als Neu-Mami komplett versage. Ich bekam Vorträge, wie oft ich mein Kind zu stillen habe und erhielt Vorhaltungen, warum ich mir noch keine Gedanken über die Stillposition gemacht hätte etc. Jede der Schwestern hatte dann auch noch ihre eigenen Ansichten über das Wann und Wie, sodass ich nach kurzer Zeit vollends verunsichert war, was ich wie für meinen kleinen Schatz zu tun hatte. Im Nachhinein denke ich mir, dass wenn ich mich nach meiner „Sturzgeburt“ nicht so geschunden gefühlt hätte und nicht so überwältigt gewesen wäre, hätte ich denen ein paar Takte erzählt. Darüber, was es heißt nicht abzustumpfen, für das Gegenüber ein wenig Einfühlungsvermögen aufzubringen und dass aller Anfang nun einmal schwer ist. Aber hätte – hätte – in dem Moment lag der Fokus eben woanders und auch, wenn meine Welt Kopf stand – gab es da einen Lichtblick. Denn Gott sei Dank hatten wir eine tolle Nachtschwester, die uns über die erste unsichere Phase des Stillens begleitet hat, sodass es schlussendlich doch noch reibungslos geklappt hat. Der erste Schritt sah vor, dass die Milchproduktion mittels Abpumpen angeregt werden sollte. So befand ich mich im Kreislauf: Abpumpen, die Milch kühl stellen, wenn der Krümel Hunger hatte – holen, erwärmen und mittels Fingerfeeder füttern, danach wieder abpumpen usw. Das haben wir so ca. 1 ½ Tage gemacht, bis die Milchproduktion lief. Wir sind die ersten 4 Tage im Krankenhaus geblieben. Eigentlich war ich in der Zeit nur mit Füttern und Abpumpen beschäftigt. Die Tage und Nächte nahmen ganz andere Dimensionen an als früher. Mir fehlte in der ersten Woche komplett das Zeitgefühl. Dazu kam, dass ich mit heftigen Nachwehen zu kämpfen hatte. Die Schmerzen waren so intensiv, dass ich die erste Woche nicht ohne Schmerzmittel stillen konnte. Da kam mir das Abpumpen sogar noch gelegen, weil ich mich hier nur um mich kümmern brauchte und mich krümmen konnte wie ich wollte.

Nach den Anlaufschwierigkeiten galt es nur noch eine bequeme Stillposition zu finden und der Krümel musste seine Saugtechnik optimieren. Nach ca. einem Monat hatte sich alles gefestigt und es ging alles reibungslos.

Jeder sammelt seine eigenen Erfahrungen

Im Austausch mit anderen Mamis stellte ich dann fest, dass ich mit den Startschwierigkeiten nicht alleine war. Wobei sich die Probleme ganz unterschiedlich darstellten. Von „es klappt nicht, weil die Milch nicht einschießt“, über „wir haben abgebrochen, weil wir zwei Stunden stillen mussten bis die Maus satt war“, bis „wir mussten auf das Fläschchen wechseln, weil die Milch die Kleine nicht richtig satt gemacht hat“. Natürlich wissen alle werdenden Mamis, dass das Stillen das Beste für die Sprösslinge sein soll, aber wenn es aus welchen Gründen auch immer einfach nicht klappen mag, dann ist das eben einfach so. Lasst euch nicht von vorwurfsvollen Fragen irritieren, warum ihr euer Kind nicht stillt – oder es anders ernährt. Viele Menschen sind einfach nicht aufgeklärt über die Hindernisse (wunde Brustwarzen, zu viel oder zu wenig Milch, Milchstau), die es teilweise beim Stillen zu überwinden gilt. Zu Beginn unserer spannenden Reise kann ich mich da genauso wenig ausnehmen. Nicht bei allen klappt es von Tag 1 an reibungslos. Wichtig ist, dass ihr eurem Kind Liebe und Geborgenheit schenkt. Den Rest regeln zur Not auch immer die Ersatzernährungsprodukte, sodass euer kleiner Schatz groß und stark wird.

Meine drei Tipps

Im Endeffekt ist es wie mit vielen anderen Neuheiten des Mami-Seins – entspannt bleiben ist der Schlüssel. Tipps, die mir geholfen haben und die ich gerne weiter gebe:

  1. Viel Trinken, wobei es nicht zum Zwang werden soll. Bei mir war es zum einen für die Milchbildung wichtig und zum anderen für meinen Kreislauf. Die kurzen Schlafphasen haben mir zum Anfang sehr zugesetzt. Mir war ständig kalt. Ich bin mit kompletter Montur ins Bett – mit Strickjacke und Socken. Da hat ein warmer Tee am Bett Wunder gewirkt. Achtet darauf, keinen Pfefferminz- oder Salbeitee zu trinken, diese wirken abstillend.
  1. Die innere Bereitschaft für das Stillen haben. Damit meine ich einfach am Ball bleiben auch wenn es zum Anfang holprig ist. Räumt euch die nötige Zeit ein. Lernt euch in Ruhe kennen und nehmt euch die Freiheit diese Ruhe einzufordern, wenn ihr stillt. Legt euer Kleines zum Anfang vielleicht häufiger an, auf diese Weise wird die Milchproduktion angeregt und genügend Milch produziert. Achtet auf die Signale eures Sprösslings – befolgt keinen straffen Plan, der euch von außen vorgegeben wird. Seid nicht frustriert, wenn es nicht nach Schema F läuft.
  1. Findet eine bequeme Stillposition. Wobei das Baby zur Brust geführt wird und nicht umgekehrt. Entspannt euch und euren Rücken – er ist noch genug belastet durch die Schwangerschaft und wird noch mehr belastet durch das Tragen des Babys. Da ich nicht die Still-Mami in Person bin, aber unglaublich gerne kuschele – habe ich die Zeit der Ruhe genutzt, den Krümel hinterher einfach noch für mich behalten und noch ein paar Minuten Knuddeln angehängt.

Habt keine Angst oder Zweifel – ihr kennt eurer Kleines am Besten – nehmt die Hilfe an, die euch weiter bringt und gebt euch einfach viel Zeit – Zeit euch in Ruhe kennenzulernen – eure Verbindung ist etwas ganz Besonderes.

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