Mein liebes Baby,

ich werde sie vermissen. Die stillen Minuten und Stunden, in denen es nur dich und mich gab. Diese Zeit, die ganz alleine uns beiden gehörte und in der wir uns immer wieder als Einheit erleben konnten. Es war eine schöne Zeit, auch, wenn es sehr anstrengend begonnen hat mit dir und mir und dem Stillen.

Ich erinnere mich noch sehr genau an unsere ersten Stunden. Es ist fast ein Jahr her. Du warst ganz frisch, hast geschrien und dich dann selig über meinen Busen hergemacht. Dann bist du eingeschlafen, vor Erschöpfung. Du warst ganz klein und so zerbrechlich. Die nächsten Tage waren schwierig, was das Stillen betraf. Du und ich, wir hatten irgendwie keinen Drive. Du bist dauernd eingeschlafen und mir haben die Brustwarzen gebrannt. Jedes Mal, wenn du Hunger hattest, hatte ich Angst vor dem Schmerz und davor, dass du wieder nicht genug zu Essen bekommen würdest.

Manchmal musste ich dich sogar zum Essen wecken.

Aber, irgendwie ging es doch und wir konnten nach Hause gehen. Du hast viel geschlafen und geschrien und eigentlich den ganzen Tag getrunken. „Der kann doch nicht schon wieder Hunger haben“, habe ich dauernd gedacht oder gesagt. Manchmal war ich ziemlich verzweifelt mit dir. Dann kam die eine Nacht, die uns beide und unser Stillen sehr verändert hat. Es war schon spät, nein, früh morgens. Ich bin aufgewacht und du hast geschlafen, ganz sachte hat sich deine Brust gehoben und dein Atmen war ein leiser Hauch in die Stille der Nacht. Ich aber war hellwach und panisch, es waren schon 5 Stunden vergangen seit deinem letzten Snack. Was war nur los? Ich habe versucht, dich zu wecken, ganz sanft natürlich, sehr vorsichtig, ich hatte ja auch irgendwie Angst, dass ich dich wecken könnte.

Du warst noch nicht einmal 1 Woche alt.

Du bist nicht aufgewacht. Auch nicht, als ich dir später mit einem kalten Waschlappen über die Hänge, den Hals, das Gesicht gefahren bin. Mittlerweile in heller Aufregung. Ein wenig hast du die Augen geöffnet, aber sie sind dir sofort wieder zu gefallen. Du warst ganz schwach. So schnell kann es gehen, habe ich gedacht und panisch den Papa geweckt. Der war die Ruhe selbst, wie immer, vor allem in diesen aufregenden Anfangszeiten. Er hat dich genommen, ganz behutsam und dich massiert und gleichzeitig mich beruhigt. Du hast ja geatmet und warst ganz warm. Mein Herz es klopfte mir bis zum Hals, ich weinte verzweifelt. Zum Glück hatten wir eine Milchpumpe im Haus, ich pumpte also mit großer Hast und schaffte es binnen 10 Minuten ganze 30ml aus meiner Brust zu quetschen, die tat mir weh, aber das war egal. Ich stopfte dir die Flasche in den Mund, deine Lippen umschlossen mit einem leichten Schmatzen die Flasche und ruckzuck war die Milch weg. Du hast die Augen aufgemacht und uns ganz perplex angeschaut. Deine Mama, die völlig aufgelöst, verheult und verfroren halb nackt im Wohnzimmer auf dem Boden saß, dein Papa, in dessen starken Armen, du dich aufgehoben und geborgen gefühlt hast.

Wir drei, ein super Team.

Diese Nacht hat uns verändert, wir haben das mit dem Stillen danach noch ernster genommen. Es wurde zugefüttert, es kam das Stillhütchen und es ging bergauf mit deinem Gewicht und mit unserer Zweisamkeit. Die Brustwarzen erholten sich, du konntest endlich sinnvoll etwas aus der Brust heraus bekommen und so konnten wir gemeinsam wachsen. Das mit dem Stillen nach Bedarf haben wir in den ersten 3 Monaten fast schon exzessiv betrieben, wenige Stunden vergingen, ohne, dass du an meiner Brust gegessen oder geschlafen hast. Was für eine lustige Zeit und aufregend! Und irgendwann war es vorbei. Du konntest den Kopf heben, dich schon bald selbst herum drehen und anderes wurde spannender, ein Schnuller zum Beispiel. Die Stillhütchen haben wir nicht lange benutzt, gerade einmal 4 Wochen, sie haben uns gerettet und genauso schnell wie wir sie geholt haben, konnten wir sie auch wieder ablegen. Das Stillen war danach noch viel besser. Ehrlicher, direkter, authentischer. Und wir haben diese Zeit immer sehr genossen.

Jetzt ist es vorbei.

Du bist 11 Monate alt und die Brust ist „leer“. Zumindest reicht es dir nicht mehr, um satt und zufrieden die Nacht durchzuschlafen. Deswegen gibt es jetzt ein Fläschchen und die Brust nur noch morgens zum Nuckeln, aber das wird sich auch bald geben. Und dann ist es ganz vorbei. Vorbei mit der glücklichen Symbiose, ein neuer Schritt beginnt und du gehst einen kleinen Schritt von mir weg. Eine Abnabelung, die ein wichtiger Schritt ist  – besonders für mich. Dich loszulassen kann ich nicht früh genug lernen!

Das Stillen ist ein Abschnitt, den wir nun hinter uns lassen müssen, so wie es noch vieles geben wird, was vorbei geht. Alles hat seine Zeit. Es war schön. Nun wollen wir sehen, was als nächstes auf uns zu kommt. Denn wir haben die ganze Welt, die für uns da ist. Ich habe dich sehr lieb, meine Baby!

Deine Mama

 

Nora Hodeige

Nora Hodeige

Gesundheitscoach bei Leben mit ohne
Nora ist entspannt, liebt ihren kleinen Paddler und das Leben, genießt die Sonnenseiten und versucht die Schattenseiten unbeschadet zu überstehen, fühlt sich geliebt und unterstützt und möchte alles dieses mit der Welt teilen.
Wenn Nora nicht mit ihrem Sohn unterwegs ist, bietet sie Gesundheitscoaching für Menschen mit Histaminintoleranz & anderen Unverträglichkeiten an.
Nora Hodeige